Kubiss.de Der Kultur- und Bildungsserver
für den Großraum Nürnberg
Kubiss-Info, Tastatur-Kurzbefehl: I Kontakt, Tastatur-Kurzbefehl: K Impressum, Tastatur-Kurzbefehl: M Zu den Favoriten hinzufügen
   

> Kubiss Podcasts > Liste der Lesenden > Mehmet Tekerek

Mehmet Tekerek

Podcasts

 

»Bis heute liegt mein Schwerpunkt auf dem Genre der Kurzgeschichten, es entstehen aber immer wieder auch Gedichte.«

Mehmet Tekereks meist satiriesche Geschichten und Gedichte handeln von der Sehnsucht und Einsamkeit der Menschen und dem Leben als Migrant in den siebziger und achtziger Jahren.

 

Mehmet Tekerek liest aus:

Mehmet Tekerek liest im ersten Teil des Podcast seine Erzählung "Der Demokrat":

"Ich begreife mich als Demokrat. Über die Demokratie wird so viel geredet, daß man es gar nicht allesaufzählen kann. Das ist eine einzig Begriffsverwirrung, aber darauf will ich gar nicht in allen Einzelheiten eingehen ... Es ist mir wichtig, ein guter Demokrat zu sein. Je nach Lage kann ich sogar gegen den Krieg sein. Früher wollte ich die Welt zum Guten verändern, die Kriege stoppen, war gegen jede Art von Unrecht, das Menschen von Menschen angetan wird, gegen Ausbeutung, Folter, politischen Terror und Staatsterrorgleichermaßen. Wenn ich alles aufzählen wollte, wogegen ich früher gewesen bin, würde ich gar nicht damit fertig. Jetzt bin ich etwas vorsichtiger geworden. Heutzutage muß man einfach sehr viel vorsichtiger sein."

Im zweiten Teil ist er mit seiner Erzählung "Etwas Einfaches" zu hören.

Ich bin etwas Einfaches. Mancher wird wohl sagen: „Kann ein Esel denn einfach sein? Esel ist doch Esel.“ Ich gehe nun nicht auf die Details ein.

Mein Besitzer verband mir eines Tages die Augen, legte mir die Leine um den Hals und zog mich davon. Dass meine Augen verbunden waren, hinderte mich nicht daran, dass ich lief. Allerdings überkam mich schließlich Angst. Was würde nun denn geschehen? Wenn er mich nun tötete, mir die Kehle durchschnitt, in den Kopf schösse…?

Meine Besitzer war in der Tat ein netter Mensch und behandelte mich nie schlecht. Dass er mich zu einem Ort mitnahm, der von unserem Dorf sehr weit entfernt lag, erkannte ich daran, dass unser Gang lang dauerte. Er löste mir die Augenbinde, und ich sah, dass wir auf einem hoch gelegenen Platz waren. Mein Besitzer schien traurig zu sein. Die Leine um meinen Hals löste er, dann ließ mich frei. Ich blieb ohne Bewegung stehen. Er sah nicht in meine Augen, sondern ins Freie, dann sagte er:
„He, mein Freund, wir haben viele Tage zusammen verbracht. Du hast uns viel geholfen. Ich kann deine Verdienste nicht vergessen, aber ich brauche dich nicht mehr, es tut mir Leid.“
Dann ging er weg. Dabei drehte er sich einige Male zurück und blickte mich an.
Wenn ich gewollt hätte, hätte ich doch bis in meine Wohnung zurückgefunden. Aber ich fand das mit meinem Stolz unvereinbar. Einige Tage lief ich wie betrunken umher. Ich war sehr traurig.

 

Biografie

  • Portrait Mehmet Tekerek*1956 in Adana/Türkei
  • 1972 nach Rheydt bei Mönchengladbach ausgewandert, er erlernte das Druckerhandwerk und schrieb für verschiedene regionale Zeitungen
  • 1996 Umzug nach Nürnberg
  • 1986 beginnt Mehmet Tekerek Gedichte zu schreiben, es folgen Kurzgeschichten und Veröffentlichungen in verschiedenen zweisprachigen Zeitungen (Deutsch und Türkisch).
  • 1990 Beitritt zur Schriftstellervereinigung „Literaturkreis", mehrere Jahre aktiv in der Vereinigung und Durchführung zahlreicher Lesungen.

 

Veröffentlichte Werke

  • „Unbehagen, Kurzgeschichtenbuch” (2002), „Trotz alledem” (2004)
  • „Tagebuch eines Sklaven”, 2006, ISBN 3-00-016126-0, 8.- €
  • „Goodbye Sterne”, 2008, AD Verlag / ISBN 978-3-00-022885-8, 8.-€

<< Zurück zur Übersicht

Zum Seitenanfang Seite drucken Link eintragen

Link eintragen

Sie können eine Einrichtung aus dem Kultur- oder Bildungsbereich nicht finden, oder einer unserer Links funktioniert nicht mehr? Melden Sie uns bitte diese Einrichtung

Förderer

Online Dienst Nordbayern

Partner

Nürnberg Online

Nürnberg Kultur

Newsletter

Sie möchten unseren Newsletter abonnieren?
Kein Problem! Einfach E-Mail eintragen