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Joseph Reinthaler

Podcasts

Über die Lesung

Im ersten Teil hören Sie die Erzählung "Nach Blutwurst kommt Medusa", womit Joseph Reinthaler den zweiten Preis des diesjährigen Literaturpreises gewann.

Im zweiten Teil des Literatur-Podcast liest Joseph Reinthaler das  Gedicht "Brief eines Mordbuben Nr. 1", dazu diese Anmerkung:

Am 25. September 1888 schickt Jack the Ripper den ersten seiner drei Briefe an die Polizei und eröffnet jenen zynisch mit "Dear Boss", wonach dieser später benannt wird. Insgesamt sind drei Briefe bekannt, welche man dem tatsächlichen Mörder zugeordnet hat: Der "Dear-Boss-Brief", die "Saucy-Jacky-Postkarte" und der "From-Hell-Brief". Die Briefe sprechen die Sprache eines offensichtlich Wahnsinnigen, der sein Treiben als Spiel zu begreifen scheint und immer wieder zynisch "ha. ha." zwischen die Zeilen seines Briefes streut. Die Umkehrung einer offensichtlich perversen Realität des Falls zu einer spielerischen ist ansicht unvereinbar - außer in diesen Briefen. Der erste der Briefe wurde von mir übertragen, wobei sich an die Aussagen des Briefes gehalten wurde - sogar deren Chronologie wurde bewahrt - selbstverständlich unter lyrischer Erweiterung / Interpretation. An den beiden letzten Briefen arbeite ich gerade.

 

Biographie

Portrait Joseph Reinthaler2. Preisträger des 23. Literaturpreises der Nürnberger Kulturläden 2011

Geboren: 01. April 1989 in Burghausen an der Salzach (Oberbayern)

2008: Abitur am König-Karlmann-Gymnasium in Altötting, abgebrochene Buchhändlerlehre nach dem Abitur. Seit Wintersemester 2009/2010 Studium der Germanistik und Buchwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Interesse für Malerei und Literatur (Maler wie z.B. Hieronymus Bosch, Bruegel, Otto Dix, Horst Janssen, etc. – Literatur aus der Epoche des Dadaismus, Expressionismus, Symbolismus, Frühe Neuzeit … besonderes Interesse für Konkrete Poesie), Spiele die Instrumente Geige, Bratsche (zeitweilig Bass);

Mitglied der Maximilian-Gesellschaft (Gesellschaft für Bibliophilie & Buchkunst)

Seit 2011: Mit Studienkollegen Hörbuchprojekte (unter dem Namen Bänkelsang Hörbuchverlag) – gerade erst im Aufbau / in Produktion (noch keine Veröffentlichung)

Schreiben heisst für mich:
Schreiben ist Destillation – der Schreibtisch die Destille. Schreiben muss vom Beschreiben getrennt werden; nie darf ich mir erlauben, das Erfahrbare wiederzugeben – vielmehr muss ich es für den Leser selbst erfahrbar machen, was unmittelbarer ist. Die Sprache hierfür funktioniert wie Farbe und Pinsel. Die Figuren, die auf diese Weise entstehen, verlieren für mich ihr Unwirkliches, Artifizielles – ich glaube ihnen, dass es sie wirklich gibt … was lächerlich ist.

und: Was ist Malen für mich?

Ein Gemälde schafft einen Eindruck - punktuell. Wir sind es gewohnt, dass unsere Wahrnehmung stark über "Bilder" funktioniert, stark visuell arbeitet. Ich öffne beim Klingeln meines Weckers die Augen und sehe wieder, ganz nach dem Prinzip: Da ist sie ja wieder - die Welt von gestern. Und was wichtig ist: Ich glaube, was ich sehe; ich glaube an den Papierkorb, den Boden, die Zimmerpflanzen (sauber aufgereiht auf dem Fensterbrett) etc. Was bliebe, wenn ich mich nicht darauf verlassen könnte? Nun, ein Bild (künstlich geschaffen) nutzt aus, dass wir das Sichtbare als Erfahrung akzeptieren und schafft Wahrnehmungen, die jenseits des Papierkorbs, des Bodens, der Zimmerpflanze (sauber aufgereiht auf dem Fensterbrett) liegen - Abstraktes - dem Wesen nach eigentlich unsichtbar. Das ist faszinierend.

Die Collagen sind Arbeiten mit Tusche und Aquarell.

Joseph Reinthaler hat beim diesjährigen, 19. "open mike"-Literaturwettbewerb den 2. Prosa-Preis für seinen Beitrag "Dora Diamant" erhalten.
www.literaturwerkstatt.org

 

Laudatio auf Joseph Reinthaler

"Nach Blutwurst kommt Medusa"
von Marion Voigt

Als ich diesen Text las, wurde mir heiß und kalt.

Schon der erste kurze Satz wirft viele Fragen auf. Achaz Swoboda, was für ein ungewöhnlicher Name … Einer der vierzehn Nothelfer heißt Achatius oder Achaz, er soll vor bösen Krankheiten und vor Todesangst schützen, das hebräische Wort bedeutet »der Unschuldige« … Swoboda steht für Freiheit – ist es nicht auch ein slawischer Allerweltsname? Und was versteht man unter Stickhusten? Warum verwendet der Autor diesen volkstümlichen Begriff für Keuchhusten? Was soll der Hinweis auf das fehlende Aquarium gleich am Anfang?

Ja, was ist das für ein sonderbarer Typ? Zufallsprodukt eines Prager Techtelmechtels, Witwer, »Verkokser von reinem Kohlebruch« in einem Ort an der Alz, nahe Altötting … »einfach gestrickt«, ein Jedermann mit leicht absonderlichen Vorlieben, denn er hat eine Schwäche für Quallen.

Die Geschichte erzählt von der kleinen, geistig engen Welt des Achaz Swoboda. Sie erzählt von seinem krankhaften Auswurf und seinem armseligen Ende binnen sieben Tagen. Aber wie!

So einfältig der Protagonist daherkommt, so gebildet wirkt der Erzähler hinter seinem konspirativen »wir«, das den Leser sofort mit vereinnahmt. Katholisch gelehrt bedient er sich einer altertümelnden Sprache. Da gibt es Wörter wie »fehlrufen«, die Zeit vergeht nicht, sondern es »verschneit Winter«, und immer wieder glänzen Komposita wie federfaul, Seichewasser oder Kleisterfetzen – sparsam eingesetzt!

Es macht Spaß, den sorgfältig geschliffenen Formulierungen zu folgen, den stilsicher konstruierten Satzgebäuden – die auch mal über dreizehn Zeilen reichen, ohne zu wanken – und dem abwechslungsreichen, manchmal sperrigen Rhythmus dieser dichterischen Sprache. Gleichzeitig macht sich eine wachsende Verunsicherung beim Lesen breit. Denn unvermittelt verkehrt sich eine poetische Betrachtung in ein groteskes, derbes Bild, etwa wenn das tödliche Gerinnsel zu einem »ungewollt warmen Stück fester Blutwurst« wird.

Der Autor bedient sich seiner ungewöhnlichen sprachlichen Mittel so souverän, als käme er direkt aus dem Kosmos seiner Figuren. Ihre bizarre Welt wird so erschreckend greifbar, dass es mich als Leserin graust. Aber aus Neugierde bleibe ich dran und suche weiter nach versteckten Anspielungen und Analogien. Bei Weitem nicht alle sind so deutlich wie der Hinweis auf die Offenbarung des Johannes und das apokalyptische Ende des unschuldigen, ganz und gar bedeutungslosen Achaz Swoboda.

Das ist richtig gut und ich wüsste zu gern, an welchen Vorbildern der Autor seine Kunst geschult hat! Auf jeden Fall macht diese Geschichte Lust auf mehr!

26. Mai 2011, Marion Voigt
www.folio-lektorat.de

 

Der Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden

Der Literaturpreis für junge Autorinnen und Autoren besteht seit 1989. Ursprünglich als reine Kulturladen Nord-Veranstaltung konzipiert, beteiligen sich inzwischen alle Nürnberger Kulturläden am Wettbewerb.

Ziel des Wettbewerbs ist es nicht, Profi-Autor(inn)en auszubilden, sondern bei jungen Menschen die Lust am Experimentieren mit dem Medium Schrift, Schreiben und Sprache zu wecken und zu fördern. Zugleich soll ein Überblick über die Vielfalt und Kreativität des schreibenden Nachwuchses Mittelfrankens gewonnen werden.

Einige der in den vergangenen Jahren ausgezeichneten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind dem Schreiben entweder beruflich oder als „Hobby“ treugeblieben und Sie können sie im Literatur-Podcast hören: Christian Schloyer (Lyrik), Leonhard F. Seidl (Erzählungen), Anja Zeltner (Erzählungen) und die Autorin und Regisseurin Christiane Neudecker.

WortWärts LogoIm jeweiligen Literaturpreis-Jahr können Sie den anderen Preisträgerinnen und Preisträger am Literaturfest "WortWärts" begegnen, sie lesen dort nochmals ihre prämierten Texte. Das Literaturfest findet jeweils Mitte August im Literaturzentrum Nord (KUNO) statt.

In der jährlich erscheinenden Literaturzeitschrift "Wortlaut - Zeitschrift für Literatur in Franken" werden die prämierten Beiträge abgedruckt. Die Zeitschrift ist über das Literaturzentrum Nord (KUNO) zum Preis von 3,- € erhältlich.

www.kultur-nord.org

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